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Leitung im Wandel: Verändert sich Führung mit der Generation Z?

Autor: Sophia Lux & Lea Heinzel
Veröffentlicht 28.05 2026
Die Generation Z gilt in vielen Debatten als schwierig — zu anspruchsvoll, zu wenig belastbar, zu wenig loyal. Wer aber genauer hinschaut, erkennt: Es geht nicht um weniger Führung. Es geht um bessere.

Die öffentliche Diskussion über junge Beschäftigte ist häufig von Pauschalisierungen geprägt. Empirische Studien — darunter aktuelle Erhebungen von XING, forsa und dem Roth-Institut — zeichnen ein deutlich differenzierteres Bild.
Die Generation Z lehnt Arbeit nicht ab. Sie bewertet sie anders.
Aufgewachsen zwischen Finanzkrise, Pandemie und geopolitischer Unsicherheit, hat diese Kohorte ein erhöhtes Bedürfnis nach Stabilität, Klarheit und Planbarkeit entwickelt. Arbeit wird funktional betrachtet: als Mittel zur Existenzsicherung, zur persönlichen Entwicklung — aber nicht mehr als alleiniger Lebensmittelpunkt. Das ist keine Schwäche. Das ist eine rationale Reaktion auf eine als unsicher erlebte Welt.
Drei Begriffe tauchen in der Forschung immer wieder auf: Sicherheit, Sinnhaftigkeit und Selbstbestimmung.
Sicherheit meint dabei nicht Bequemlichkeit — sondern verlässliche Rahmenbedingungen, transparente Entscheidungen und planbare Strukturen. Sinn entsteht nicht durch abstrakte Leitbilder, sondern durch konkrete Erfahrungen: Wenn Aufgaben verständlich sind. Wenn Ziele klar kommuniziert werden. Wenn Entscheidungen erklärt werden — statt einfach angewiesen.
Selbstbestimmung wiederum bedeutet nicht, dass niemand mehr Verantwortung übernehmen soll. Qualitative Studien zeigen das Gegenteil: Junge Beschäftigte wünschen sich gerade zu Beginn ihrer Tätigkeit klare Vorgaben und verlässliche Strukturen. Mit wachsender Erfahrung steigt dann der Wunsch nach mehr Entscheidungsfreiheit — das ist kein Widerspruch, sondern eine Entwicklungslogik.
Die entscheidende Erkenntnis aus der Forschung lautet: Führung wird durch die Generation Z nicht infrage gestellt. Sie wird neu bewertet.
Autoritäre Führungsstile stoßen auf geringe Akzeptanz — nicht weil junge Menschen keine Führung wollen, sondern weil sie andere Erwartungen an deren Legitimation haben. Formale Autorität reicht nicht mehr. Was zählt, ist Nachvollziehbarkeit.
Führung wird damit zum Aushandlungsprozess — nicht im Sinne von Beliebigkeit, sondern von kommunikativer Verantwortung. Entscheidungen müssen nicht gemeinsam getroffen werden. Sie müssen aber erklärt werden. Führungskräfte bleiben entscheidungs- und verantwortungsfähig — sind jedoch stärker gefordert, ihre Entscheidungen in einen sinnhaften Zusammenhang zu stellen.
Regelmäßiges Feedback, klare Absprachen und transparente Prozesse wirken für junge Beschäftigte stabilisierend. Studien zeigen, dass Führung besonders dann positiv bewertet wird, wenn sie Erwartungen explizit macht und Rückmeldungen als Entwicklungsinstrument nutzt — nicht als Kontrollinstrument.
Transparenz bedeutet dabei nicht vollständige Offenlegung. Es geht um Einordnung: Warum wird so entschieden? Was sind die Prioritäten? Wo liegen die Grenzen? Führung übernimmt damit eine Übersetzungsfunktion — zwischen organisationalen Anforderungen und individuellen Erwartungen.
Anpassung hat Grenzen — und das ist gut so.
Nähe und Augenhöhe ersetzen keine Rollenklarheit. Entscheidungen müssen nicht dauerhaft ausgehandelt werden. Verantwortung bleibt Aufgabe der Führungskraft. Professionelle Führung zeichnet sich gerade dadurch aus, dass sie Beziehungen gestaltet und gleichzeitig Grenzen wahrt.
Rollenklarheit wirkt dabei nicht einschränkend — sie wirkt entlastend. Besonders in komplexen, dynamischen Organisationskontexten.
Die Generation Z hat Führung nicht neu erfunden. Sie macht sichtbar, was schon länger gilt: Führung, die nur auf formaler Autorität beruht, verliert an Wirkung. Was bleibt — und was wächst — ist der Bedarf an erklärender, orientierender, verantwortungsvoller Führung.
Die Frage ist nicht ob sich Führung verändern muss. Die Frage ist, wie sie unter veränderten Bedingungen professionell gestaltet werden kann.
Die Generation Z liefert dafür keinen Sonderfall — sondern einen Anlass zur Reflexion, den sich jede Organisation leisten sollte.
Sophia Lux und Lea Heinzel sind Autorinnen des Fachartikels „Leitung im Wandel: Verändert sich Führung mit der GenZ?“, erschienen in der Fachzeitschrift jugendhilfe (Heft 2/2026, Luchterhand Verlag).
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